Finanzdienstleistung besteht zu einem großen Teil aus administrativer Verarbeitung strukturierter Information: Anträge beurteilen, Policen mutieren, Transaktionen kontrollieren, Dossiers vervollständigen, Berichte erstellen. Viele dieser Stunden liegen nicht im Gespräch mit dem Kunden, sondern in den Schritten davor und danach: Daten zwischen Systemen abtippen, Dokumente auf Vollständigkeit prüfen, Standardbriefe erstellen, Anträge an feste Kriterien prüfen. Das ist Arbeit mit einer erkennbaren Struktur und einem festen Regelwerk, und das unterscheidet sie von Arbeit, bei der jede Situation erneut beurteilt werden muss.
Der Sektor kennt daneben einen strengen Rahmen: Aufsichtsregeln, Aufbewahrungspflichten, Rechenschaftspflichten. Dieser Rahmen bestimmt nicht, ob KI eine Aufgabe technisch ausführen kann, wohl aber, ob ein Unternehmen diese Ausführung ohne menschliche Kontrolle laufen lassen kann. Einen Antrag anhand fester Kriterien zu beurteilen, ist für KI oft beherrschbar; die Endverantwortung für diese Beurteilung bei einer Aufsichtsbehörde zu melden, liegt bei einer Person.
In Teilen des Sektors ist zu sehen, was sich ändert, wenn KI Aufgaben übernimmt. Erkennbare Beispiele:
In diesen Beispielen zieht sich stets dieselbe Dreiteilung durch: Aufgaben, die KI eigenständig erledigt, Aufgaben, die KI vorbereitet, während ein Mensch mit Begründung genehmigt oder ablehnt, und Aufgaben, die Menschenarbeit bleiben, weil Urteilsvermögen, Erklärung oder Verantwortung nötig sind.
Ob und wie schnell diese Verschiebung sichtbar wird, hängt nicht nur von der Aufgabe selbst ab, sondern von den Umständen, unter denen ein Unternehmen arbeitet:
Diese Faktoren gelten nicht nur hier. Auch in der Gastronomie und in der Freizeitbranche bestimmt der Grad der Standardisierung, wie viel Arbeit sich übernehmen lässt, auch wenn die Arbeit dort inhaltlich ganz anders aussieht als eine Policenbeurteilung oder eine Risikoanalyse. Und in der verarbeitenden Industrie spielt der Zustand der zugrunde liegenden Systeme eine vergleichbare Rolle wie im Finanzsektor: Wo Daten bereits strukturiert vorliegen, geht die Übernahme schneller als dort, wo das noch getrennt voneinander ist, wie sich auch bei der Frage zeigt, ob KI die Produktionserfassung auf dem Hallenboden übernehmen kann.
Diese Verschiebung sagt etwas über Arbeit aus, nicht über Menschen. Welche Aufgaben KI übernimmt, ist eine andere Frage als das, was ein Arbeitgeber mit seinem Personalbestand macht. Für Entscheidungen, die den Personalbestand betreffen, gelten eigene gesetzliche Anforderungen und Verfahren; diese Frage wird hier nicht beantwortet, und dies ist auch keine Grundlage dafür. Es geht hier um eine sachliche Aufschlüsselung von Arbeit: welche Aufgaben KI heute schon übernimmt, welche unter Aufsicht kommen und welche Menschenarbeit bleiben, und was das in Stunden bedeutet.
Ob dieses Bild für Ihre eigene Organisation zutrifft, hängt davon ab, wie Ihre Prozesse eingerichtet sind, welche Systeme Sie nutzen und welcher Teil Ihrer Arbeit bereits standardisiert ist. Um dazu eine erste Einschätzung zu erhalten, gibt es einen kostenlosen Quickscan: zwölf Fragen, ohne Konto, mit als Ergebnis eine Einschätzung, welcher Teil der Stunden in Ihrem Profil heute durch KI übernommen werden kann. Der vollständige Werkscan, der die Arbeit eines Unternehmens bis auf Aufgabenebene aufschlüsselt und pro Aufgabe beurteilt, befindet sich noch im Aufbau. Der Quickscan gibt jetzt schon eine erste Richtung, ohne dass dabei mehr versprochen wird als eine Einschätzung.
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